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Alles begann mit einem Aufruf, der mich neugierig machte: Gesucht
wurden Probanden für die Weltraumforschung, genauer für das Projekt
»Feinmotorik und Kognition in simulierter Schwerelosigkeit«. An diesem
langfristigen Projekt forscht derzeit das Institut für Physiologie und
Anatomie der Deutschen Sporthochschule Köln, gefördert wird es von
Partnern aus der Weltraumforschung: der deutschen Luft- und
Raumfahrtagentur (DLR) und dem Europäischen Astronauten-Zentrum (EAC)
der ESA.
Ziel dieser Versuchsreihe ist, die menschliche Leistungsfähigkeit unter
Extrembedingungen näher zu untersuchen. Desweiteren will man
herausfinden, inwieweit die Schwerelosigkeit im Wasser eine
überprüfbare und geeignete Trainingsumgebung für bemannte
Weltraummissionen darstellt (auch im Vergleich zu den wesentlich
aufwändigeren Parabelflügen). Ein Taucher befindet sich bei seinen
Arbeitseinsätzen in einem vergleichbaren Arbeitsumfeld. Motorische und
kognitive Handlungen müssen auch dort schnell und präzise durchgeführt
werden: Bei allgemeinen Tätigkeiten oder beim Bedienen von
beispielsweise Steuerknüppeln und bestimmten Forschungsapparaturen. Man
denke an kurze Grundzeiten bei komplizierten Bergungsarbeiten
beispielsweise bei Wracktauchgängen. Erste Erfahrungen bei
Trainings-Arbeitseinsätzen unterwasser waren bei uns bereits gesammelt
– im Rahmen der Unterwasserarchäologie-Ausbildung für Sporttaucher der Nautical Archaeological Society (NAS) beispielsweise mit Vermessen, Zeichnen und Dokumentation.
Mein erster und bis jetzt letzter Tauchgang, der ansatzweise mit
Weltraum zu tun hatte, lag schon mehr als zehn Jahre zurück. Es bot
sich mir eine der seltenen Gelegenheiten, im sogenannten »Astronautenpool« der DLR in Köln Porz
tauchen zu können – damals in einem nachgebauten Modell der
»Mir«-Einstiegsluke. Allein das hatte schon reichlich Spaß gemacht und
beim »Kino im Kopf« ist man während dieser Zeit selbst Raumfahrer(in) –
wie Claudie Haigneré oder Thomas Reiter...
Nun sollte es also
Gelegenheit geben, Teile des sogenannten »Astronautentests«
ausprobieren zu können – im Dienste der Wissenschaft.
Meinen Bruder, einen meiner Tauchbuddies begeistern zu können, war
nicht schwierig, da er sich seit Jugendzeiten mit Astronomie
beschäftigt und bis heute fit mit Sternbildern ist (was sich als sehr
interessant und praktisch bei Nachttauchgängen erweist :-))
Die Grundvoraussetzungen erfüllen wir: Man muss für den Test
Rechtshänder sein, eine gültige Tauchtauglichkeit, wenigstens
Einstern-Taucher sein und über mindestens 25 geloggte Tauchgänge
verfügen (dies wird vor dem Testdurchlauf auch kontrolliert). Mit Marc
Dalecki, der unter der Leitung von Dr. Uwe Hoffmann die Forschungen im
Rahmen seiner Dissertation ausführt und seinem Team war schnell ein
passender Termin für die Geschwister Reymann gefunden und los ging es...
Ort für die Versuchsreihe ist die Schwimmhalle im Schwimmzentrum der
Deutschen Sporthochschule Köln in Müngersdorf. Auf dem Weg zum
Schwimmzentrum bekommt man unweigerlich mit, dass sich alles auf diesem
Gelände mit Sport befasst: Überall befinden sich diverse Sportflächen
und Trainingshallen und man kann dort so gut wie alle Sportarten
studieren.
Vor der Halle treffe ich zufällig Marc, er gibt mir ein paar
organisatorische Informationen, im Foyer sehe ich bereits den
Versuchsanbau »an Land« auf der gegenüberliegenden Seite und wir
treffen uns in der großen Schwimmhalle wieder. Dort ist bereits alles
präpariert: Auf einem Tisch stehen Laptop und Monitor, gegenüber
befindet sich das Aluboard mit Joystick und Tastbox, das nach dem
»Landtest« unterwasser erneut zum Einsatz kommen wird. Der
Untersuchungsbereich ist optisch etwas vom Becken durch einen Paravent
geschützt, beim Prüfungsdurchlauf auch akustisch, denn man bekommt
Ohrenschützer auf.
Die große Halle teilten wir uns an diesem Tag mit diversen sportlichen
Aktivitäten: Auf der gegenüberliegenden Seite wurde Springen vom Block
geübt, es befand sich eine Tauchgruppe im Becken, ein Einzelkämpfer war
mit beschwerten Ringen apnoemäßig unterwegs (auf mich wirkte der
einsame Sportler etwas »lost in space« siehe Foto!). Unser Bereich
unterhalb des gesperrten Sprungturms ist mit Bojen abgegrenzt, was auch
gut ist, denn wir teilen uns unseren Bereich mit einem
Kinderschwimmkurs und später einer Aquafitnessgruppe, die mit
Schwimmnudeln und anderem Gerät unterwegs war.
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